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Straßenverkehr

KirchleinWenn man auf Kretas Straßen unterwegs ist, kommt man nicht umhin, die vielen kleinen Kirchen in Modellgröße zur Kenntnis zu nehmen, die am Straßenrand aufgestellt sind. Vom billigen Blech-Kirchlein bis zum eindrucksvollen steinernen Monument mit Inschrift, Foto und Kerzenständer gibt es verschiedene Grade des Aufwandes, der hierfür betrieben wird. Ein ganzer Gewerbezweig lebt davon.

Wer sich fragt, welchem Zweck diese kleinen Kirchlein dienen, der soll hier aufgeklärt werden. Es handelt sich um das Äquivalent zu den Kreuzen auf deutschen Straßen, auf denen die "Bauern-Rallyes" regelmäßig ihre Opfer fordern. Wo immer eine solche Miniaturkirche steht, verlor ein Mensch auf einer kretischen Straße an dieser Stelle sein Leben. Seine Familie hat ihm zur Erinnerung an der Unglücksstelle ein kleines Andenken aufgebaut.

KirchleinGemessen an der schieren Zahl der kleinen Denkmäler, insbesondere in den Serpentinen der Gebirgsstraßen, ist man geneigt zu denken, daß die kretische Bevölkerung einen unstillbaren Drang zur Selbstausrottung besitzt. Zu diesem Zweck bedient man sich der verfügbaren Fahrzeuge - je mehr Motorisierung, desto besser. Die Tatsache, daß es auf Kreta keinen TÜV gibt, ist dabei eher zweitrangig. Die übliche Ursache dürfte eher aus einer Kombination der folgenden Überlegungen resultieren:

  • Der Raki nach dem Essen war gut. Die Cocktails auch. Der weitere Verlauf des Abends verspricht noch einiges mehr.
  • Ich will in kürzestmöglicher Zeit zur Disco.
  • Ich beherrsche mein Auto, auch wenn ich Raki getrunken habe.
  • Ich habe ein oder zwei hübsche Mädchen an Bord, denen ich auf dem Weg zur Disco versuche, soviel wie möglich zu imponieren.
  • Gegenverkehr? Hier?
  • Wo kommt diese Kurve auf einmal her?

Um es einmal deutlich zu sagen: Die Kreter, und speziell die jungen Kreter, fahren (vor allem nachts) wie die leibhaftigen Henker. Nicht umsonst weist die ADAC-Statistik der tödlichen Verkehrsunfälle in Europa Griechenland einen traurigen Spitzenplatz zu.

Die Beschaffenheit der Straßen auf Kreta trägt leider nicht zu erhöhter Verkehrssicherheit bei. Enge Serpentinen über Abgründen, die mehrere hundert Meter tief abfallen (selbstverständlich ohne Leitplanken), tiefe Schlaglöcher und die teilweise geringe Straßenbreite, die in Anbetracht der griechischen Fahrweise jeden Gegenverkehr als vollkommen unerwartetes Phänomen erscheinen läßt, sorgen für wenig optimale Fahrbedingungen unter den oben geschilderten Randbedingungen.

VerkehrsschildVon den Holperpisten einmal abgesehen. Im Landesinneren und auf wenig befahrenen Strecken sind manche Straßen noch nicht asphaltiert. (Auf diesen Strecken ist für den unbedarften Touristen ganz ernsthaft eine Geschwindigkeit von maximal 20 km/h anzuraten - dem Fahrzeug zuliebe.)

Hinzu kommt die typisch kretische Fahrerhaltung. Der linke Arm wird grundsätzlich aus dem Seitenfenster gestreckt und hält entweder die Tür fest oder das Dach. (Mangelndes Vertrauen in die Stabilität der verwendeten Fahrzeugmodelle?) Mit der rechten Hand wird alles andere erledigt ... lenken, gestikulieren, rauchen, telefonieren, schalten ...

Doch wir wollen keine unbegründeten Ängste wecken. Mit dem Fahrzeug tagsüber auf Kreta unterwegs zu sein, ist generell nicht wesentlich gefährlicher als, sagen wir einmal, auf der A 5 kurz vor Frankfurt an einem Montagmorgen. Defensives Fahren ist allerdings unbedingt anzuraten, und speziell Zweiradfahrer gleich welcher Couleur seien darauf hingewiesen, daß man in jeder Kurve mit Schotter oder anderen Hindernissen wie zum Beispiel Schafen rechnen muß. Busse und LKWs können mit halsbrecherischer Geschwindigkeit entgegenkommen. Da sie stärker sind, sollte man ihnen einfach souverän den Vortritt lassen.

Auf den Hauptrouten ist eine Kriechspur mit einer weißen Linie markiert. Es entspricht den kretischen Gepflogenheiten, diese Kriechspur zu nutzen, wenn sich kein überholenwertes Fahrzeug vor einem befindet. Da die Kreter Schilder, die Überholverbote oder Geschwindigkeitsbegrenzungen anzeigen, durch die Bank ignorieren, sollte der harmlose Mietwagenfahrer sich hier rechts halten. Unserer Erfahrung nach sind penetrante Linksfahrer und Blockierer oft Engländer (die bekanntermaßen eher zur linken Seite der Straße tendieren) oder bornierte Deutsche, die es überhaupt nicht einsehen, irgendwem Platz zu machen. So etwas muß nicht sein. Wenn Sie auf Kreta sind, dann passen Sie sich bitte in dieser Hinsicht ein wenig an.

In den größeren Städten Kretas (vornehmlich Iraklion, aber auch Chania und Rethymnon) wird man feststellen, daß das Vorfahrtsrecht oder eine grüne Ampel einen nicht davor bewahrt, daß plötzlich mehrere Motorroller aus einer ungeahnten Richtung einscheren und sich vorbeidrängeln. Für den bis dato ordnungsliebenden Mitteleuropäer gilt hier, daß äußerste Umsicht walten zu lassen ist. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen und bleiben Sie cool. Auf Kreta ist das einfach so.

Die Straße entlang der Nordküste von Kissamos über Chania, Rethymnon und Heraklion nach Agios Nikolaos ist sehr gut ausgebaut. Seit Sommer 2001 wird der Ausbau zwischen Agios Nikolaos und Sitia im Osten weiter vorangetrieben. Mit ungeheurem Aufwand werden Brücken, Tunnels und schnurgerade Highways durch die kretischen Berge gebaut bzw. gesprengt.

 
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