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Ein Reisebericht von Petra Brodt
Mit dem Schiff von Vancouver zum Prince William Sound
"Alaska? Ist es da nicht eiskalt?" So oder ähnlich waren die Kommentare, als ich meine Urlaubspläne für Anfang Juni 2001 kundtat. Um etwas mit dem Vorurteil aufzuräumen, Alaska sei "nur" kalt, und um die Leute, die Natur pur suchen, auf ein vielleicht noch unbekanntes Urlaubsziel hinzuweisen, dazu ist dieser Artikel gedacht.
Nachdem wir fünf Jahre zuvor Alaska und Kanada von der Landseite, genauer gesagt vom Alaska-Canadian Highway, aus bewundert hatten, beschlossen wir, uns diesmal die Seeseite vorzunehmen. Der Hinflug ging nach Vancouver. Dort genossen wir die herrliche Skyline und verbrachten einen sonnigen Tag auf Vancouver Island. Sowohl Vancouver als auch Vancouver Island sind es wert, ein paar Tage dort zu verbringen.
Da Vancouver Island nur mit der Fähre zu erreichen ist, entgeht man dort den touristischen Massen. Sehenswert ist in Victoria der Inner Harbour und das altehrwürdige Hotel "The Empress". Ansonsten gibt es auf Vancouver Island Möglichkeiten zur Walbeobachtung, Wanderwege und auch für Mountainbiker sind genug Möglichkeiten vorhanden. Abends kann man in Vancouver in den unzähligen Kneipen ganz gemütlich noch ein gutes Bier aus den heimischen Micro-Breweries genießen.
Ein Muss für jeden Vancouver-Besucher ist der riesige Stanley Park mit seinen Totempfählen, von denen jeder eine andere Geschichte erzählt.
Dann war es soweit: Es ging an Bord. Wir hatten eine einwöchige Kreuzfahrt mit der "Sea Princess" gebucht. Wobei bei vielen die Frage auftaucht: "Was macht man denn auf einer Kreuzfahrt so? Wird dies nicht langweilig?".
Meine Antwort darauf: "Man ist fast jeden Tag in einem anderen Hafen und kann dort von Bord gehen. Außerdem braucht man nur einmal den Koffer auszupacken und kann sich an Bord verwöhnen lassen. Gutes Essen rund um die Uhr, Sauna, Fitness Studio, naturkundliche Vorträge, usw. lassen einem die Zeit nicht lang werden. Und abends trifft man sich zum gemütlichen Beisammensein in einer Bar oder sieht sich eine Show an. Wer will, kann natürlich auf einem amerikanischen Schiff sein Geld auch im Spielcasino lassen. Auf den meisten Schiffen geht es auch in Bezug auf Kleiderordnung ganz lässig zu."
Zunächst ging es bei herrlichem Wetter durch die Inselwelt von British Columbia. Vorbei an kleinen Siedlungen und Leuchttürmen fühlte man sich manchmal nach Schweden versetzt. Einfach traumhaft! Die ersten Passagiere schwammen schon im beheizten Pool oder genossen den Tag auf dem Sonnendeck. Durch die Inside Passage verließen wir nun Kanada, und Alaska - das große Land - lag vor uns.
Am nächsten Tag liefen wir Ketchikan an. Diese Stadt ohne Straßenanbindung an den Rest des Straßennetzes nennt sich selbst "The Rain Capital of the World". Bedingt durch die hohen Coast Mountains, an denen sich die Wolken abregnen, fällt hier im Jahr sechsmal mehr Niederschlag als bei uns. Die Einwohner messen hier den Regen nicht mehr in Inches, sondern in Feet, wie man am Hafen auch gleich bestaunen kann. Wir hatten allerdings Glück und es nieselte nur ein bisschen.
Als nächste Station stand die einzige Hauptstadt in den USA an, die nur mit Schiff oder Flugzeug zu erreichen ist. Juneau liegt an einem herrlichen Kanal, in dem wir dann auch gleich die ersten Seeadler, Robben und Wale zu Gesicht bekamen. Außerdem fanden wir einen total urigen Saloon, mit Sägespänen auf dem Fußboden, Klavierspieler und einer stimmungsvollen Atmosphäre. Seit diesem Tag sind uns auch amerikanische Trinklieder nicht mehr unbekannt.
Weiter ging es dann nach Skagway. Dort fuhren wir mit der White Pass & Yukon Railroad, einer Schmalspurbahn, auf den Spuren der Goldsucher hoch zum White Pass, der wohl schwierigsten Strecke auf dem Weg zu den Goldfeldern des Yukon. Ein weiteres Highlight dieser Tour! Es ist schon fantastisch, wie sich diese Bahn über eine vor hundert Jahren erbaute Strecke von Meereshöhe auf 1000 m hoch kämpft, über abenteuerliche Brücken und mit einer herrlichen Aussicht, die man von Wagen-Plattformen aus genießen kann.
Nach Skagway ging es in die Glacier Bay, eine 65 Meilen lange Bucht mit 12 Gletschern. Leider ließ uns hier das Wetter etwas im Stich und der Himmel blieb bedeckt. Entschädigt wurden wir dafür mit zwei Bären, die wir vom Schiff aus beobachten konnten. Später konnten wir auch noch Buckelwale bewundern.
Als nächstes stand der College Fjord im Prince-Wiliam-Sound auf dem Programm. Man stelle sich vor: Strahlend blauer Himmel, strahlend weiße bzw. hellblau leuchtende Gletscher, auf Eisschollen treibende Seeadler und Hunderte von Seeottern. Soviel Schönheit und Natur auf einmal war kaum zu fassen.
Als wir dann abends auch noch bei einem leckeren Steak und gutem Rotwein die herrliche Landschaft an uns vorbeiziehen ließen, konnte der Tag fast gar nicht schöner enden. Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von der Sea Princess und unseren neu gewonnenen amerikanischen Freunden.
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